Nun ist es amtlich, die Saison 2016/17 bringt mehrere Veränderungen im Regelwerk mit sich. Nachdem die Änderungen bereits bei Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren erfolgreich getestet wurden, gilt nun: Ab 1.07.2016 und somit bereits zu den Olympischen Spielen im Sommer, greifen die Modifizierungen der Internationalen Handballföderation (IHF) auch im Erwachsenenbereich und in allen Spielklassen, also von der Bundes- bis zur Bezirksliga. Die sich ergebenen Änderungen haben wir nachstehend – dem Wortlaut der IHF nach – aufgeführt. Sie befassen sich mit dem Torwart als Feldspieler, verletzten Spielern, passivem Spiel, der letzten Spielminute und der blauen Karte.

 


1. Torwart als Feldspieler Regel 4:1 Absatz 3, Regeln 4:4-5-6-7)
Zu beachten ist, dass die Regel 4 hinsichtlich der Bestimmungen des Ersatzes eines Torhüters, durch einen Feldspieler, vollumfänglich gültig bleibt. Allerdings wird die folgende Regelerweiterung eingefügt: 
  1. Eine Mannschaft kann gleichzeitig sieben Feldspieler auf der Spielfläche einsetzen. Dies ist der Fall, wenn ein Feldspieler einen Torwart ersetzt. Er muss nicht zwingend (aber kann) ein Trikot in der Farbe des Torwarttrikots tragen.

  2. Wenn die Mannschaft mit sieben Feldspielern spielt, kann kein Spieler die Funktion des Torwarts ausüben, d.h. kein Spieler darf den Torraum betreten, um die Torhüterposition zu übernehmen. Wenn der Ball im Spiel ist und einer der sieben Feldspieler den Torraum betritt, um eine klare Torgelegenheit zu vereiteln, erhält die gegnerische Mannschaft einen 7-m-Wurf zugesprochen. Regel 8:7f ist zu beachten.

  3. Im Fall einer Auswechselung sind die Regeln 4:4-7 (normale Regeln für den Spielerwechsel) zu beachten. In einem solchen Fall erhält der Torhüter alle Rechte gemäß den Regeln 5 und 6 zurück.

  4. Wenn eine Mannschaft mit sieben Feldspielern spielt und einen Abwurf ausführen muss, muss einer der Spieler die Spielfläche verlassen und es muss ein Torhüter eingewechselt werden, um diesen Wurf aus dem Torraum auszuführen. Die Schiedsrichter entscheiden, ob ein Time-Out erforderlich ist.

2. Verletzter Spieler
Bei jedem Turnier in den letzten Jahren haben wir mehr und mehr Situationen beobachtet, in denen ein Spieler medizinische Versorgung auf dem Spielfeld verlangt hat. Dies obwohl es nicht notwendig war, aber mit dem Ziel, den Spielrhythmus zu unterbrechen, unsportliche Aktionen zu zeigen und unnötig die Dauer der Unterbrechung zu verlängern, was auch die Fernsehübertragungen beeinflusste. Die bisher von IHF-Delegierten und Schiedsrichtern durchgeführten Maßnahmen haben nicht ausgereicht, dieses Verhalten zu beseitigen. 

Anweisungen für Schiedsrichter zur Regel 4:11, Absatz 1: 
  • Wenn die Schiedsrichter absolut sicher sind, dass ein verletzter Spieler auf dem Spielfeld behandelt werden muss, zeigen sie unverzüglich die Handzeichen Nr. 15 und 16. Den Mannschaftsoffiziellen ist es nicht erlaubt, das Betreten des Spielfelds zu verweigern.

  • In allen anderen Fällen sollen die Schiedsrichter den Spieler auffordern, aufzustehen und sich außerhalb des Spielfelds behandeln zu lassen, bevor sie die Handzeichen Nr. 15 und 16 zeigen.

  • Jeder Spieler oder Mannschaftsoffizielle, der diesen Bestimmungen nicht nachkommt, ist wegen unsportlichen Verhaltens zu bestrafen.


Absatz 1 wird wie folgt geändert:

  • Nach der medizinischen Behandlung auf dem Spielfeld muss der Spieler die Spielfläche verlassen.

  • Er kann erst zurückkehren, wenn seine Mannschaft drei Angriffe abgeschlossen hat. Die Technischen Delegierten sind für Kontrolle verantwortlich.

  • Ein Angriff beginnt mit Ballbesitz und endet, wenn ein Tor erzielt wurde oder die angreifende Mannschaft den Ball verliert.

  • Wenn die Mannschaft, deren Spieler medizinische Behandlung benötigt, in Ballbesitz ist, zählt dieser Angriff als erster Angriff.

  • Wenn der Spieler die Spielfläche betritt, bevor die drei Angriffe abgeschlossen sind, ist dies als regelwidriges Betreten der Spielfläche zu bestrafen (Wechselfehler).

  • Die oben genannten Bestimmungen gelten nicht, wenn die erforderliche Behandlung der Verletzung auf dem Spielfeld das Ergebnis eines regelwidrigen Verhaltens eines gegnerischen Spielers ist, der dafür von den Schiedsrichtern progressiv bestraft wurde.

  • Die oben genannten Bestimmungen gelten nicht, wenn ein Torwart von einem Ball am Kopf getroffen wurde und eine medizinische Behandlung auf der Spielfläche erforderlich ist.

3. Passives Spiel
Viele Trainer und Schiedsrichterexperten denken, dass diese Regel in den Spielregeln gut beschrieben ist, aber sie argumentieren, dass die Schiedsrichter, insbesondere nach dem Vorwarnsignal für passives Spiel, nicht die gleichen Kriterien anwenden und sie fordern Änderungen, die den Schiedsrichtern weniger subjektive, sondern objektive Kriterien vorgeben.
Gleichzeitig werden die Schiedsrichter aufgefordert, in diesen Situationen keine steigende Aggressivität der verteidigenden Mannschaft zuzulassen. 

Grundsätzliche Regelbestimmungen:
  • Die Regeln 7:11 und 7:12 bleiben gültig.

  • Erläuterung 4, Abschnitte A, B, C und der Anhang E bleiben unverändert.

 

Erläuterung 4, Abschnitt D, wird wie folgt spezifiziert:
  • Nach der Anzeige des Vorwarnzeichens können die Schiedsrichter jederzeit auf passives Spiel entscheiden, wenn sie keinen Versuch erkennen, in eine Torwurfsituation zu gelangen.

  • Nach der Anzeige des Vorwarnzeichens hat die vorgewarnte Mannschaft insgesamt 6 Pässe zur Verfügung, um auf das Tor zu werfen.

  • Wenn nach den maximal 6 Pässen kein Torwurf erfolgte, entscheidet einer der Schiedsrichter auf passives Spiel (Freiwurf für die andere Mannschaft).

  • Wenn der angreifenden Mannschaft ein Freiwurf zugesprochen wurde, wird die Anzahl der Pässe nicht unterbrochen.

  • Wenn ein Wurf durch die abwehrende Mannschaft geblockt wurde, wird die Anzahl der Pässe nicht unterbrochen.

  • Wenn die abwehrende Mannschaft nach dem 6. Pass ein Foul begeht, bevor die Schiedsrichter auf passives Spiel entschieden haben, führt diese Regelwidrigkeit zu einem Freiwurf für die angreifende Mannschaft. In diesem Fall erhält die angreifende Mannschaft, neben der Möglichkeit eines direkten Freiwurfs, einen zusätzlichen Pass, um ihren Angriff abzuschließen.

  • Das Zählen der Anzahl der Pässe durch die Schiedsrichter ist eine Tatsachenfeststellung im Sinne der Regel 17:11, Abs.1.

4. Letzte Minute
Der Zweck dieser im Jahr 2010 geänderten Regel war es, unsportliches Verhalten oder schwerwiegende Fouls in der letzten Spielminute zu vermeiden oder zu verringern und der unterlegenen Mannschaft auch die Möglichkeit zu geben, das Spiel auszugleichen oder zu gewinnen, um somit die Spannung bis zur letzten Sekunde zu erhalten. Allerdings hatte dies nur teilweisen Erfolg, und wir sehen weiterhin, wie Mannschaften schwerwiegende Aktionen durchführen, um ein Spiel zu gewinnen, unabhängig von der Tatsache, dass einer ihrer Spieler für das nächste Spiel gesperrt wird. Zusätzlich wird ein Zeitraum von einer Minute als zu lang für diese Regel angesehen (in einer Minute ist es möglich, zwei oder mehr Tore zu erzielen).

Vereinbarung:
  • Statt in der letzten Minute gelten die speziellen Bestimmungen nur in den letzten 30 Sekunden.

  • Die Regeln zu den letzten 30 Sekunden werden am Ende der regulären Spielzeit und am Ende der ersten und der zweiten Verlängerung angewandt.


Regeln 8:5, 8:6, 8:10c,d werden wie folgt angepasst:

  1. Der Wortlaut “letzte Spielminute” wird durch die “letzten 30 Sekunden des Spiels” ersetzt.

  2. Ein Foul gemäß Regel 8:10c (Ball nicht im Spiel) wird mit Disqualifikation ohne schriftlichen Bericht bestraft und der gegnerischen Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.

  3. Ein Foul gemäß Regel 8:10d (Ball im Spiel) in Verbindung mit Regel 8:5 wird mit Disqualifikation ohne schriftlichen Bericht bestraft und der gegnerischen Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.

  4. Ein Foul gemäß Regel 8:10d (Ball im Spiel) in Verbindung mit Regel 8:6 wird mit Disqualifikation mit schriftlichem Bericht bestraft und der gegnerischen Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.
In den Fällen 3) und 4) gilt Folgendes:
5.1.Der Angreifer ist in der Lage, ein Tor zu werfen: Kein 7-m-Wurf
5.2.Der Angreifer passt den Ball, sein Mitspieler erzielt kein Tor: 7-m-Wurf 
5.3. Der Angreifer passt den Ball, sein Mitspieler erzielt ein Tor: Kein 7-m-Wurf 

5. Blaue Karte
Manchmal ist es für die Mannschaften nicht klar, ob eine von den Schiedsrichtern ausgesprochene Disqualifikation gemäß Regel 8:5 erfolgte (keine weitere Auswirkung) oder nach Regel 8:6 (schriftlicher Bericht nach dem Spiel verpflichtend), und die Situation blieb von Zuschauern und Medien unbemerkt.  Diese Änderung sorgt für mehr Klarheit in solchen Fällen. Wenn die Schiedsrichter die Blaue Karte zeigen, wird ein schriftlicher Bericht in den Spielbericht aufgenommen und die Disziplinarkommission ist für weitere Maßnahmen verantwortlich.

Regel 16:8 (Regeln 8:6, 8:10), der letzte Absatz wird wie folgt geändert:
  • Die Information erfolgt durch das Zeigen der Blauen Karte (zusätzlich zur Roten Karte).

  • Die Blaue Karte muss im Besitz der Schiedsrichter sein.

  • Die Schiedsrichter zeigen zuerst die Rote Karte und später, nach kurzer Diskussion, die Blaue Karte.

 

Information: Im Zusammenhang mit den anstehenden Änderungen nimmt der Schiedsrichterchef der IHF, Manfred Prause gegenüber Handball-World.com Stellung zu den geplanten Änderungen. Den vollständigen Artikel finden Sie hier.