Das ist ein Meilenstein für das Schiedsrichterwesen des Deutschen Handballbundes: Maike und Tanja Schilha aus Meckenbeuren am Bodensee sind in den Kader des europäischen Verbandes EHF aufgestiegen. Nach Jutta Ehrmann-Wolf und Susanne Künzig, die 2009 ihre Karriere beendeten, sind die beiden Geschwister erst das zweite internationale weibliche Gespann, das der DHB stellt. Beide überzeugten bei der Challenge Trophy in Larisa. „Wir sind einfach wahnsinnig glücklich, dass uns diese Möglichkeit gegeben wurde und wir vom DHB so großartig unterstützt werden”, sagen Maike und Tanja Schilha. „Wir sind uns des Vertrauens, das uns entgegengebracht wird, absolut bewusst und versuchen immer, die in uns gesetzten Erwartungen bestmöglich zu erfüllen - egal, ob das nun national oder international sein wird!”

Stolz vernahm auch Peter Rauchfuß die Nachricht aus Griechenland. Der DHB-Schiedsrichterwart arbeitet mit seinem Team seit Jahren am Aufbau eines Frauenkaders. „Das hat sich in der Breite noch nicht so entwickelt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Um so bemerkenswerter ist es, dass wir Maike und Tanja Schilha durchgebracht haben. Das zeigt: Unser gemeinsames Engagement hat sich doch gelohnt. Und unserer Vision, Spiele der Frauen-Bundesliga durchweg mit Schiedsrichterinnen zu besetzen, bleiben wir treu”, sagt Rauchfuß. „Maike und Tanja  vermitteln wirklich das Bild eines Spitzengespanns. Ich bin überzeugt, dass beiden noch eine lange Reise in der Schiedsrichterei bevorsteht. Wir werden sie jetzt mit Bedacht weiter entwickeln.”

Die Kunde vom Aufstieg der Schilhas stößt auf weitere positive Resonanz. „Maike und Tanja Schilha können für viele Mädchen eine Vorbildrolle übernehmen. Wir brauchen starke Frauen in der Handball-Familie”, sagt DHB-Präsident Bernhard Bauer. Und Berndt Dugall, Vorsitzender der Handball Bundesliga Frauen, ergänzt: „Das ist ein echter Durchbruch. Schiedsrichterinnen stehen der Frauen-Bundesliga gut zu Gesicht.” Seine nächsten großen Auftritte wird das Gespann am 26. und 27. April in Leipzig bei den Final4-Turnieren um den DHB-Pokal der Frauen und die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Jugend haben.

Die Basis für ihren sportlichen Aufstieg legten die Schilhas mit einem einwöchigen Kurs in Larisa. Die ersten Hürden - Shuttle-Run und Regeltest - nahmen die Schilhas ohne Probleme. Das klassische Tagesprogramm setzte sich aus morgendlicher Theorie, dem praktischen Spieleinsatz sowie der anschließenden individuellen Auswertung mit den EHF-Oberservern zusammen. Der Lehrgang stand unter der Leitung der Finnin Mona Förström. Kurios: Von den sechs nominierten Paaren waren vier Geschwister- und von diesen sogar drei Zwillings-Gespanne. Maike und Tanja Schilha leiteten in Larisa insgesamt vier Spiele, darunter auch das kleine Finale zwischen Gastgeber Griechenland und Belgien (23:16)

Maike Schilha, die am heutigen Donnerstag 28 Jahre alt wird, begann 2002 als Schiedsrichterin, die drei Jahre jüngere Tanja folgte 2004. Beide spielten zu jener Zeit noch für die SG Argental, waren dort auch Jugendtrainerinnen und übernahmen aufgrund des auch in ihrem Verein herrschenden Schiedsrichtermangels Verantwortung als Schiedsrichterinnen. Die Geschwister arbeiten beide bei der ZF Friedrichshafen AG - Maike nach BWL-Studium als Logistikplanerin, die studierte Wirtschaftsingenieurin Tanja als technische Einkäuferin.

Die Schilhas sind nun gespannt auf ihre nächsten internationalen Aufgaben: „Unser nächstes Ziel ist es einfach, noch besser Fuß zu fassen und so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln.” Alles Weitere ergibt sich dann von selbst.


Maike und Tanja Schilha. - Foto: picture-alliance