Die Eliteschiedsrichter des Deutschen Handballbundes (DHB) werden Schauspiel-Einlagen in der kommenden Bundesliga-Saison konsequent ahnden: „Es gibt eine Tendenz dahingehend, Strafen des Gegenspielers mit vorgetäuschten Gesichtstreffern provozieren zu wollen“, sagte DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß nach eingehender Analyse der abgelaufenen Spielzeit. „Dieses unsportliche Verhalten wollen wir stoppen. Wir werden Fouls konsequent bestrafen, wir werden aber auch strikt gegen vorgetäuschte Fouls vorgehen“.
Bei ihrem Vorbereitungslehrgang in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) war die zunehmende Schauspielerei eines von mehreren Schwerpunkt-Themen, die die Schiedsrichter behandelten. Auch das Verhalten auf den Auswechselbänken sowie das Zweikampfverhalten auf der Kreisläuferposition standen im Fokus der Unparteiischen. „Hier müssen wir von Beginn an klare Grenzen setzen“, fordert Rauchfuß. Handball sei eine schnelle und körperbetonte Sportart mit vielen Toren. Das mache sie auch so attraktiv für Zuschauer und Sponsoren. „Doch wenn sich Abwehr- und Angriffsspieler am Kreis Ringkämpfe liefern, ist das alles andere als ein gutes Erscheinungsbild nach außen.“ Ebenso zerstören permanent lamentierende Trainer und Auswechselspieler das positive Image der Sportart.

Erneut werden insgesamt 15 Paare des Elitekaders – darunter die sechs internationalen Gespanne – vor allem die Spiele der ersten Bundesligen der Männer und Frauen leiten. Hinzu kommen sechs Schiedsrichterpaare des Elite-Anschlusskaders, die ebenfalls gezielt auf die Aufgaben im höchsten Leistungsbereich vorbereitet werden. 

Alle Gespanne bestanden in Halberstadt sowohl die theoretischen als auch die geforderten Fitness-Tests. Armin Emrich, ehemaliger Trainer sowohl der Männer- als auch der Frauen-Nationalmannschaft und heutiger sportliche Berater der Spitzen-Unparteiischen, zeigte sich zufrieden: „Die deutschen Elite-Schiedsrichter sind fit“, sagte der 63-Jährige.

Seinen Respekt vor der Arbeit der Schiedsrichter zollte DHB-Präsident Bernhard Bauer am Rande des Lehrgangs. „Ich habe große Achtung davor, was die Schiedsrichter auf dem Spielfeld Woche für Woche unter großem Druck leisten. Dazu gehört viel Mut und Courage.“ Zudem zeige sich der 63-Jährige begeistert, wie selbstkritisch die Schiedsrichter mit sich und ihren Leistungen auf dem Parkett umgehen würden: „Da können sich viele eine Scheibe abschneiden“. 

Holger Kaiser, der für Finanzen und Lizensierung zuständige Geschäftsführer der DKB Handball-Bundesliga (HBL), lobte die Leistungen der Elite-Referees in der abgelaufenen Saison. „Wir haben die beste Liga der Welt und wir haben auch die besten Schiedsrichter der Welt. Das gilt sowohl für die Spitze als auch in der Breite“, sagte Kaiser.  Gerade die Teams, die international im Einsatz sind, wüssten die Leistungen der deutschen Gespanne in der heimischen Liga zu schätzen.

Sowohl DHB-Präsident Bauer als auch HBL-Geschäftsführer Kaiser sicherten zudem dem Schiedsrichterausschuss und Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß für die kommenden Jahre ihre volle Unterstützung zu. „Das komplette Präsidium steht voll hinter der Arbeit im Schiedsrichterwesen“, so Bauer.