Die Novellierungen der Handballregeln aus dem vergangenen Jahr haben naturgemäß auch für den Handball in Deutschland Veränderungen mit sich gebracht. Hiervon betroffen ist insbesondere das Passive Spiel. Noch vor der Regeländerung war nach dem Anzeigen des Vorwarnzeichens die subjektive Einschätzung der Schiedsrichter das alleinige Maß für eine Entscheidung zum Passiven Spiel, andere Parameter gab es hingegen nicht. Mit der Änderung des Regelwerks im Jahr 2016 wurde nachgebessert und die sogenannte „Sechs-Pass-Regel“ erhielt Einzug ins Regelwerk. Mit ihr steht nun fest, maximal sechs Pässe stehen der angreifenden Mannschaft nach dem Anzeigen des passiven Vorwarnzeichens noch zur Verfügung, um den Angriff abzuschließen. Das führt in der Praxis jedoch nicht selten dazu, dass sich Angriffe aufgrund von 1:1-Situationen und provozierten Freiwürfen künstlich in die Länge ziehen. Häufig dauert ein Angriff dadurch jetzt länger als es noch vor der Änderung des Regelwerks der Fall war. Insbesondere in den Schlussphasen der Spiele trifft das immer wieder auf das Unverständnis vieler Beteiligter und Zuschauer.

Was viele jedoch gar nicht wissen, das Regelwerk auch hier entsprechend vorgesorgt. Die Regel 7:12 legt im Zusammenhang mit dem Passiven Spiel unter anderem fest: „Falls sich die Angriffsweise nach dem Anzeigen des Vorwarnzeichens nicht ändert, kann jederzeit auf passives Spiel entschieden werden.“ Weiter heißt es in der Erläuterung zum Regeltext zudem „Unternimmt die ballbesitzende Mannschaft keinen erkennbaren Versuch zum Torwurf zu gelangen […] entscheidet einer der beiden Schiedsrichter spätestens dann auf passives Spiel, wenn nach 6 Pässen kein Torwurf ausgeführt wird.“

Diese Deklaration im Regelwerk stellt klar, eine Entscheidung auf Passives Spiel ist nicht erst nach sechs Pässen möglich, sondern kann jederzeit getroffen werden. Stellen die Schiedsrichter in der Praxis also fest, dass keine gezielte Aktion Richtung Tor ausgeführt, mit 1:1-Situationen kein räumlicher Vorteil erzielt wird oder die abwehrende Mannschaft durch gute Deckungsarbeit die Passwege zu den Mitspielern des Angreifers blockiert, so kann jederzeit (also beispielsweise auch nach 3 Pässen) auf Passives Spiel entschieden werden.

Faktisch wurden die bestehenden Kriterien für das passive Spiel somit um die „Sechs-Pass-Regel“ erweitert, nicht aber gänzlich verändert. Auch ohne den Abschluss von 6 Pässen kann in der Folge eine Entscheidung auf Passives Spiel jederzeit legitim und richtig sein.