Betreten der Spielfläche: Hier mit einem Handtuch auf den Schultern

Sachverhalt
Ein Spieler von Mannschaft A läuft mit einem Handtuch auf den Schultern auf die Spielfläche.

Lösung
Das Spiel ist zu unterbrechen und die Situation ohne progressive Strafe zu korrigieren. Für den Fall, dass sich Mannschaft A im freien Spiel (kein Freiwurf, Anwurf, etc.) im Ballbesitz befand, erhält die gegnerische Mannschaft einen Freiwurf. (Jürgen Scharoff, IHF- /DHB-Regelexperte)


Betreten des Torraums: Hier durch einen nicht als Torwart gekennzeichneten Spieler

Sachverhalt
Eine Mannschaft steht mit 7 Spielern in der Abwehr, von denen keiner als Torwart gekennzeichnet ist. Der angreifenden Mannschaft gelingt es ein Tor zu erzielen. Wie ist es zu bewerten, wenn im Anschluss einer der Abwehrspieler den Torraum betritt, den Ball aus dem Tor holt, um so einen schnellen Anwurf auszuführen?

Lösung
Der auszuführende formale Wurf (Anwurf) wird im Spielfeld ausgeführt, weshalb nichts dagegen spricht, dass ein Feldspieler den Ball aus dem Tor bzw. dem Torraum holt. Für diesen Vorgang muss kein Torwart eingewechselt werden.
Ergänzend ist anzumerken, dass dies auch bei einem auszuführenden Freiwurf für die abwehrende Mannschaft gilt. Auch dieser ist außerhalb des Torraums auszuführen. (Jürgen Scharoff, IHF- /DHB-Regelexperte)

Behinderung eines Abwurfs


Sachverhalt
Ein Spieler springt in den Torraum und blockt dabei einen Abwurf, den der Torhüter soeben gespielt hat.


Lösung
Springt ein Spieler in den Torraum und blockt dabei den Abwurf des Torhüters, ist er progressiv zu bestrafen. Gemäß Regel 12:2 gilt ein Abwurf als ausgeführt, wenn der vom Torwart gespielte Ball die Torraumlinie vollständig überquert hat. Der Spieler verhindert somit die Ausführung eines formellen Wurfs. In der Folge ist der Abwurf mit Anpfiff zu wiederholen. Wird die Ausführung jedoch innerhalb der letzten 30 Sekunden behindert, so ist gemäß Regel 8:10c der entsprechende Spieler zu disqualifizieren und auf 7-m-Wurf zu entscheiden. (Jürgen Scharoff, IHF- /DHB-Regelexperte)

Abstandsvergehen sind bei der Abwurfausführung nicht möglich.

Videobeispiel


Klare Torgelegenheit: Wurf auf das leere Tor, wenn kein Spieler als Torwart gekennzeichnet ist

Sachverhalt
Während der Spielzeit (nicht innerhalb der letzten 30 Sekunden) befindet sich Mannschaft A mit 7 Feldspielern im Angriff, von denen keiner als Torwart gekennzeichnet ist. Aufgrund eines technischen Fehlers von A wird auf Freiwurf für B entschieden. Der sofort zur Ausführung bereitstehende Spieler von B wird nun durch einen Spieler von A bei der Ausführung behindert, indem er 1 1/2 Meter vor ihm einen sogenannten „Hampelmann“ veranstaltet. Wie ist zu entscheiden, wenn ...

  1. B versucht auf das Tor zu werfen und der Ball durch den Spieler von A geblockt wird.
  2. B den Wurf aufgrund des nahestehenden Spielers nicht ausführen kann.
  3. A den Ausführenden von B festmacht, sodass dieser den Wurf nicht ausführen kann.

Lösung
Wird wie in diesem Fall auf Freiwurf für die abwehrende Mannschaft entschieden, der Freiwurfausführende jetzt an der Ausführung regelwidrig behindert und der Ball wurde noch nicht gespielt, dann ist der Spieler progressiv zu bestrafen, der Freiwurf bleibt allerdings bestehen. Dieser Auslegung ist ebenfalls zu folgen, wenn der Freiwurf als direkter Wurf auf das leere Tor ausgeführt wurde und jetzt durch einen zu nahestehenden Spieler berührt oder geblockt wird. Auch hier wird das regelwidrige Verhalten des gegnerischen Spielers (hier: Abstand nicht eingehalten) progressiv bestraft.
Trotz des leeren Tores lässt das allerdings keinen Raum für die Anwendung der IHF-Erl. 6c zu. Eine Umwandlung eines Freiwurfs in einen 7-m-Wurf ist nur möglich, wenn die Bestimmungen der Regel 8:10c vorliegen und bleibt deshalb generell auf die letzten 30 Sekunden beschränkt. Im Ergebnis ist somit in allen drei Szenarien auf Wiederholung des Freiwurfes mit Anpfiff und progressive Bestrafung zu entscheiden.
(Jürgen Scharoff, IHF- /DHB-Regelexperte)

Anmerkung der Redaktion, innerhalb der letzten 30 Sekunden wäre wie folgt zu entscheiden

  1. Wiederholung des Freiwurfs + Zeitstrafe
  2. Disqualifikation [ohne Bericht] + Strafwurf
  3. Disqualifikation [ohne Bericht] + Strafwurf

Passives Spiel: Nach dem sechsten Pass wird der freistehende Kreisläufer angespielt, der regelwidrig an der Ballannahme gehindert wird

Sachverhalt
Die angreifende Mannschaft hat bereits sechs Pässe gespielt, nun wird der Ball in Richtung des freistehenden Kreisspielers gespielt, der jedoch durch einen Abwehrpsieler von hinten am Trikot gehalten wird. Durch dieses Eingreifen erreicht er den Ball nicht, den er ansonsten ungehindert erreicht hätte.

Lösung
Ein Pass zählt und gilt als vollendet, wenn er von einem Angreifer zu einem anderen gelangt ist. In diesem Fall hat der Ball den  Kreisspieler noch nicht erreicht, der 7. Pass ist somit noch nicht gespielt und demzufolge ist auch nicht auf Passives Spiel zu entscheiden. Allerdings liegt durch das Zuspiel nach dem 6. Pass gemäß Erläuterung 6 a Abs. II keine klare Torgelgenheit mehr vor, in die der Kreisspieler hätte gelangen können. Aus diesem Grund ist hier nicht auf 7-Meter, sondern auf Freiwurf für die angreifende Mannschaft zu entscheiden und das Eingreifen des Abwehrspielers entsprechend progressiv zu sanktionieren.
(Jürgen Scharoff, IHF- /DHB-Regelexperte)


Wurf auf das leere Tor, Unterbrechung durch den Zeitnehmer

Sachverhalt
Mannschaft A spielt mit 7 Feldspielerinnen (ohne Torhüterin im eigenen Torraum) und verliert im Angriff den Ball. Eine Spielerin von B wirft nun auf das leere Tor von A. Als sich der Ball in der Luft befindet unterbricht der Zeitnehmer das Spiel. Mannschaft A hatte beim Versuch die Torhüterin zu wechseln einen Wechselfehler begangen. Der sich in der Luft befindende Ball verfehlt anschließend das Tor und landet im Toraus. Wie ist das Spiel fortzusetzten?

Lösung
Entsheidenend ist, wo sich der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung befindet. In diesem Fall besteht eine klare Torgelegenheit, bei der sich der Ball auf dem Weg zum Tor und sich kein Torhüter im Torraum befindet. Der Zeitnehmer muss das Spiel ohne Rücksicht auf die Vorteilsregel umgehend unterbrechen. Wenn wegen einer solchen Unterbrechung aufgrund einer Regelwidrigkeit der abwehrenden Mannschaft eine klare Torgelegenheit vereitelt wird, muss auf 7-Meter-Wurf entschieden werden. In diesem Fall auch unabhängig davon, dass der Ball anschließend nicht im Tor landet.
(Nils Blümel, DHB-Schiedsrichter)