Ab der kommenden Saison soll dem „Liegenbleiben“ unverletzter Spieler und daraus resultierenden, unnötigen Unterbrechungen vorgebeugt werden. Aus diesem Grund wurde die sogenannte „Drei-Angriffs-Pause“ nun eingeführt.

In der Regel 4:11 heißt es jetzt: „Nachdem ein Spieler auf der Spielfläche versorgt wurde, muss er diese umgehend verlassen. Er darf die Spielfläche erst nach Abschluss des dritten Angriffs seiner Mannschaft wieder betreten.“

Diese Regelung findet Anwendung, sobald die Schiedsrichter nach Time-Out das Zeichen (Handzeichen 16) zum Betreten der Spielfläche geben.

Ausnahmen
Die Regelung findet keine Anwendung,

  • sofern die Versorgung aus dem regelwidrigen Verhalten eines Gegenspielers resultiert, für das dieser progressiv bestraft wurde oder
  • wenn ein Torwart auf der Spielfläche versorgt werden musste, weil er von einem Ball am Kopf getroffen wurde

Wann beginnt und endet ein Angriff
Ein Angriff beginnt grundsätzlich mit dem Ballbesitz und endet, wenn ein Tor erzielt wurde oder die angreifende Mannschaft den Ball verliert.
Um in Ballbesitz zu gelangen muss der Ball muss unter Kontrolle gebracht sein, das einfache Anwerfen eines Blockspielers oder des Torwarts genügt dafür nicht, wenn der Ball danach zur angreifenden Mannschaft zurückkehrt. Gleiches gilt, wenn ein Spieler den Ball beim Gegner herausspielt und dieser unkontrolliert zu einem anderen Gegenspieler gelangt. Anders bei einem Fehlpass, stibitz der Spieler den Ball des Gegners und spielt anschließend einen Fehlpass der wieder beim Gegner gelandet, dann hat der Ball besitz gewechselt und ein neuer Angriff beginnt.

Wer zählt und woher ist bekannt wie viele Angriffe bereits absolviert wurden
Die Verantwortung für das Zählen der Angriffe liegt beim Zeitnehmer und Sekretär bzw. dem technischen Delegierten. Muss ein Spieler nach einer Behandlung für drei Angriffe pausieren, wird am Kampfgericht (analog der Karte für das Team-Time-Out) eine weiße Karte aufgestellt, auf der die Rückennummer des entsprechenden Spielers vermerkt wird. Diese Karte bleibt solange aufgestellt, bis der dritte Angriff des betroffenen Teams beendet ist. Sobald die Karte vom Aufsteller entfernt wurde darf der Spieler wieder auf das Feld.

Hinweis: Beim Zählen der Angriffe handelt es sich um eine Tatsachenfeststellung. Erlauben das Kampfgericht oder der Delegierte dem betroffenen Spieler vor Ablauf der drei Angriffe das Spielfeld zu betreten, liegt dadurch kein Grund für einen Einspruch vor. Anders verhält es sich, wenn der Spieler das Feld von sich aus zu früh betritt. In diesem Fall ist auf Wechselfehler zu entscheiden und mithin eine Zeitstrafe auszusprechen.

Ergänzung: Nach Ablauf einer Halbzeit (reguläre Spielzeit oder Verlängerungen) kann der Spieler - unabhängig von der bisher gezählten Anzahl der Pässe - im nächsten Spielabschnitt wieder eingewechselt werden. Ist zum Ende der Verlängerung die Drei-Angriffs-Pause noch nicht abgelaufen, darf der Spieler darüber hinaus auch am Siebenmeterwerfen teilnehmen.

Einheitliches Vorgehen der Schiedsrichter
Sind die Schiedsrichter absolut sicher, dass der verletzte Spieler auf der Spielfläche versorgt werden muss, zeigen sie sofort die Handzeichen 15 und 16. Mit der Anzeige treffen auf diesen Spieler nach der Behandlung die Bestimmungen der Regel 4:11 (Drei-Angriffs-Pause).

In allen übrigen Fällen fordern die Schiedsrichter den Spieler auf, aufzustehen und die Spielfläche zum Zwecke der Versorgung zu verlassen. Ist dies für den betreffenden Spieler nicht möglich, zeigen die Schiedsrichter nunmehr die Handzeichen 15 und 16. Der betreffende Spieler muss anschließend drei Angriffe pausieren.

Wird das Spiel unterbrochen und der Spieler lehnt eine Behandlung ab, dann ist das nicht zu sanktionieren.

Bleibt ein Spieler verletzt liegen, lehnt eine Behandlung ab und steht dann nicht auf, so ist das Zeichen zum Betreten der Spielfläche zu geben.

Weiterführende Hinweise

  • Ist eine Mannschaft, deren Spieler auf der Spielfläche versorgt wurde, bei der Spielfortsetzung im Ballbesitz, zählt dieser Angriff als erster Angriff.
  • Wird ein Spieler, der das Spielfeld für drei Angriffe verlassen muss, in dieser Zeit mit einer Hinausstellung bestraft, darf er nach Ablauf der Zeitstrafe unabhängig von der Anzahl gespielter Angriffe wiedereingesetzt werden.
  • Verweigern Mannschaftsoffizielle die notwendige Behandlung eines Spielers, ist der Mannschaftsverantwortliche progressiv zu bestrafen.
  • Für den Fall, dass eine Mannschaft nicht über Auswechselspieler verfügt, muss sie in diesen Fällen in Unterzahl spielen.
  • Prallen in der gleichen Situation zwei Spieler (möglicherweise auch von einer Mannschaft) zusammen und beide müssen auf dem Feld behandelt werden, müssen anschließend beide die Spielfläche für drei Angriffe verlassen.

Anwendung
Die Regeländerung gilt in der 1.+ 2. Bundesliga, in der 3. Liga sowie im DHB-Pokal und dem Deutschen Amateur-Pokal. Darüber hinaus hat sie Gültigkeit für die Jugend-Bundesligen.

 

3 Videobeispiele zum verletzten Spieler (IHF - Jürgen Scharoff)

Video 1 - Angriff wird nach 6 vollendeten Passspielen mit einem Tor abgeschlossen

 

Video 2 -  Verletzer Spieler im Angriff (Schauspielerei). Ein solches unsportliches Verhalten ist progressiv zu ahnden

 

Video 3 - Sehr aggressive Verteidigung, die eine progressive Bestrafung nach sich zieht. Somit muss der Spieler trotz Behandlung das Spielfeld nicht verlassen