In der vergangenen Saison bestand bei Pokal- und Meisterschaftsspielen noch eine abweichende Regelauslegung, damit ist nun Schluss. Im neuen Regelwerk wurde der Wortlaut “letzte Spielminute” durch die “letzten 30 Sekunden des Spiels” ersetzt. Wenn ein Abwehrspieler in den letzten 30 Sekunden ein Vergehen gemäß den Regeln 8:5, 8:6, 8:10a oder 8:10b begeht, bzw. die Ausführung eines formellen Wurfs (Anwurf, Abwurf, Freiwurf, Einwurf) verhindert, wird er disqualifiziert und die gegnerische Mannschaft erhält einen Strafwurf. Exkurs: Die Frage, ob die Disqualifikation in diesem Fall mit oder ohne Bericht auszusprechen ist, richtet sich nach der Art des Vergehens. Alle Vergehen gemäß Regel 8:6 sowie 8:10a+b sind mit einer Disqualifikation und zusätzlichem schriftlichen Bericht zu ahnden. Sie werden nach außen zusätzlich durch das Zeigen der Blauen Karte signalisiert.

Befindet sich der Ball in den letzten 30 Sekunden im Spiel und dem ballführenden, regelwidrig angegriffenen Spieler gelingt es ein Tor zu erzielen oder den Ball zu einem Mitspieler weiterzuspielen, der anschließend ein Tor erzielt, entfällt der Strafwurf. Erzielt der ballführende und angegriffene Spieler jedoch kein Tor, oder gelingt es dem angespielten Mitspieler nicht ein Tor zu erzielen, ist auf Strafwurf zu entscheiden. Das gilt im Übrigen auch, wenn der Mitspieler ohne Bedrängnis verwirft oder den Ball weiterspielt.

Befindet sich der Ball in den letzten 30 Sekunden nicht im Spiel und es ist ein formeller Wurf aufzuführen, dann kann es ebenfalls zur Anwendung der neuen Regelung kommen. Für den Fall, dass ein Spieler oder Offizieller die Wurfausführung des Gegners verzögert oder behindert und damit der gegnerischen Mannschaft die Chance genommen wird, in eine Torwurfsituation zu kommen oder eine klare Torgelegenheit zu erreichen, ist der fehlbare Spieler/Offizielle zu disqualifizieren und der nicht fehlbaren Mannschaft ein Strafwurf zuzusprechen.
Hierzu zählen insbesondere: Vergehen mit begrenztem körperlichen Einsatz, Störung der Wurfausführung wie: Pass abfangen, stören der Ballannahme, Ball nicht freigeben.

Ergänzung: Wird das Spiel durch den Gegner wegen einer Wurfverhinderung in den letzten 30 Sekunden unterbrochen, die nicht mit der Wurfvorbereitung oder -ausführung zusammenhängt (Wechselfehler, unsportliches Verhalten im Auswechselraum), ist ebenfalls auf Disqualifikation und Strafwurf gemäß Regel 8:10c zu entscheiden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang festzuhalten ist, dass die Strafwurfregelung nicht jedes Foul in den letzten 30 Sekunden erfasst. Bei einem normalen Foul, beispielsweise durch das Festmachen eines Gegenspielers, bleibt es auch weiterhin nur bei einem Freiwurf. Lediglich Fouls, die ohnehin eine Rote Karte nach sich ziehen würden, sind von der Änderung betroffen. Die weiteren Regelungen beziehen sich auf Vergehen, wenn der Ball nicht im Spiel ist.

Einheitliches Vorgehen der Schiedsrichter
Für den Fall, dass die Schiedsrichter auf Disqualifikation und Strafwurf entscheiden, zeigen sie zunächst dem Spieler/Offiziellen die Rote Karte. Anschließend gehen sie zum Tisch, um die Entscheidung mitzuteilen und erst danach gehen sie zur Siebenmeterlinie. Hierdurch soll deutlich werden, dass es sich um eine Strafe für das jeweilige Vergehen handelt. Die Schiedsrichter achten besonders darauf, dass normal progressiv zu ahnende Regelwidrigkeiten nicht mit einem Strafwurf und einer Disqualifikation zu ahnden sind.

Anwendungsbereich
Die Regel findet zum Ende der regulären Spielzeit und zum Ende aller Verlängerungen Anwendung. Das bedeutet in Spielzeiten: 59:30 – 60:00, bei Verlängerungen von 69:30 – 70:00 und 79:30 – 80:00).
Die Regelung gilt für alle Alters- und Spielklassen des Deutschen Handball-Bundes.

 

3 Videobeispiele für die letzten 30 Sekunden (IHF - Jürgen Scharoff)

Video 1 - Verhinderung der Ausführung eines formellen Wurfs (bereits angepfiffen)

 

Video 2 - Verhinderung der Ausführung eines formellen Wurfes (Ball wird durch Spielerin weggespielt)

 

Video 3 - Foul mit Disqualifikation (rote Karte)